Impressionen vom Rennsteig

Reisebericht von den Bildungstagen des KBW Ost vom 17. bis 21. April 2026

Eigentlich hätten wir diese Reise absagen müssen, denn es waren zu wenige Teilnehmende angemeldet. Doch drei der Reiselustigen haben eine Hör- bzw. Seh- und Höreinschränkung und der Vorstand des KBW Ost entschied, diese Tage dennoch stattfinden zu lassen. Und welch ein Glück! Denn gerade für diese drei waren es wunderbare Tage. Sie konnten den Unterhaltungen bei den Mahlzeiten folgen, bekamen auch ziemlich viel mit von den Beschreibungen unterwegs und den einzelnen angesteuerten Reisezielen.

Zunächst erwartete uns am Samstag, 18.05. morgens Stephan Weiß, Mitarbeiter des Caritasverbandes Gotha mit einem „Boni-Bus“, um mit uns zur Wartburg nach Eisenach zu fahren. Er kannte nicht nur die Fahrstrecke sehr genau, sondern wusste über jeden Ort, den wir durchfuhren, einiges interessantes zu berichten. Die Sonne lachte und so hatten die sehenden Teilnehmenden eine grandiose Aussicht vom Turm der Wartburg. Die anschließende Führung erzählte von der Entstehung dieser 900 Jahre alten Burg und vergaß die beiden wohl prominentesten Gäste der Burg nicht, nämlich die hl. Elisabeth und Martin Luther. Elisabeth kam als 4jährige aus dem warmen Ungarn in das kalte, Thüringische Gemäuer, unvorstellbar für uns heute. Nach dem Tode ihres Mannes dem Thüringischen Landgrafen Ludwig, musste sie die Wartburg verlassen und fand schließlich in Marburg eine Unterkunft, wo sie ihren Dienst an den Armen weiterführte und mit nur 24 Jahren starb. Martin Luther fand, mit der Reichsacht verhängt, am Thüringer Hof Zuflucht, konnte dort in den 10 Monaten seines Aufenthaltes Besuche empfangen und übersetzte in wenigen Wochen das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche. Aber auch der Sängerkrieg stand uns ganz lebendig vor Augen und mit der Musik des Einzugs der Gäste aus dem Tannhäuser von Richard Wagner wurden auch wir im Festsaal begrüßt, in dem bis heute immer diese kleinste der Wagner-Opern aufgeführt wird. Nach so viel Historie und Kultur schmeckt ein typisches Thüringer Gericht richtig gut, Klöße gekocht oder gebraten mit Fleisch oder ohne. Frisch gestärkt waren wir nun noch dem berühmtesten Sohn der Stadt Eisenach auf der Spur, nämlich Johann Sebastian Bach. Das heutige Bachhaus gehörte wohl einem Verwandten von Bach, er selbst wurde wenige Meter davon 1685 geboren, kam aber mit 12 Jahren zu seinem Bruder Johann Christoph nach Orrdruff, weil beide Eltern verstorben waren. Heute hat das alte Haus einen modernen Anbau bekommen und man erfährt in ihm alles über die Musikerfamilie Bach, speziell über Johann Sebastian und kann auf historischen Instrumenten Musik von ihm hören, von den Tasteninstrumenten selbstverständlich live. Das kleine Stückchen Eisenacher Baumkuchen zum Cappuccino war anschließend ein ganz besonderer Genuss.

Am Sonntag, 19.05., feierten wir den Gottesdienst in Friedrichroda mit der Gemeinde zusammen in der kath. Pfarrkirche. Wir konnten uns musikalisch einbringen und erlebten eine lebendige, schöne Messfeier. Die Predigt wurde über den reichen Fischfang gehalten, den die Jünger nach einer Nacht ohne Fang erlebt hatten und wie Jesus ihre Herzen zum Brennen brachte, nicht nur durch den reichen Fang auf sein Geheiß hin, sondern auch durch das Brot und den Fisch, den er für sie auf einem Kohlenfeuer bereithielt. So wie Jesus damals seine Jünger stärkte und sie aussandte, so stärkte er auch uns in der eucharistischen Gemeinschaft an diesem Sonntag, Gäste und Einheimische.
Der Himmel war grau in grau und alle Schleusen waren geöffnet, es regnete wie aus Kannen. An unserem ursprünglich geplanten Spaziergang wollten wir nicht festhalten. So beschlossen wir kurzer Hand nach Waltershausen zum Schloss Tanneberg zu fahren, eine Burg, das ehemalige Sommerschloss der herzoglichen Familie von Gotha. In ihm befindet sich heute ein Puppenmuseum. Nicht nur in Sonneberg wurde Spielzeug hergestellt, sondern auch hier in Waltershausen. Dieses kleine, feine Museum beherbergt nicht nur Schätzchen aus Stoff und einem speziellen Kunststoff, der hier für die Babypuppen kreiert wurde, sondern hat einen Museumspädagogen, der für sein Kleinod brennt. So scheute er sich nicht uns die Figuren des „Sandmännchens“ aus dem DDR-Fernsehen in die Hände zu geben, die in Waltershausen erfunden wurden, sondern führte uns sogar in die Schlosskapelle und erzählte uns, dass sie heute zweimal im Jahr ökumenisch genutzt wird, zu Himmelfahrt und zur Adventsvigil. Dieses Schloss ist eine unbedingte Empfehlung für jeden, der vorbeikommt einmal hineinzuschauen.

Unser dritter „Reisetag“ galt der Kurstadt Bad Salzungen. Das Wetter war regnerisch und die Verheißungen, auf der anderen Seite des Rennsteigs sei das Wetter manchmal anders als hüben, waren eine stille Hoffnung. Wir hatten eine Führung im Gradierwerk. Wie im Städtenamen schon zu erahnen, in dieser Gegend sind große Salzvorkommen. Schon vor 1000 Jahren versuchte man Salz für den alltäglichen Bedarf zu gewinnen. Später errichtete man diese Gradierwerke, um durch die höhere Oberfläche mit der Wärme der Sonne Salz zugewinnen, den Grad des Salzgehaltes zu erhöhen, ohne es sieden zu müssen, denn Holz war ein kostbarer Rohstoff. Heute ist das Gradierwerk frisch renoviert und lädt Menschen mit Atemwegserkrankungen ein, zu wandeln und die salzige Luft einzuatmen. Unsere Führerin erzählte voller stolz, dass sie als Salzungerin täglich dieses Gradierwerk besuchte und von ihrem Lungenleiden geheilt wurde. Sie tat das ganz nach Vorschrift. Man soll nämlich bei seinen Gängen entlang an der Ost oder Westwand singen. Beim Singen atmet man genau so tief und intensiv ein, wie es für die Lunge am besten ist. Und das taten wir auch, natürlich mit dem Rennsteiglied, welches einige Tage vorher sein 75jähriges Jubiläum begehen konnte.
Gesund an Leib und Seele waren wir glücklich in unserem gastlichen Haus in Friedrichroda zurück. An diesem Tag ließen wir all die schönen Erinnerungen der letzten Tage noch einmal an uns vorüberziehen. Ein ganz herzliches Dankeschön gilt Schwester Tabita, der Leiterin des Gästehauses des Schönstadtzentrums Friedrichroda für ihre offene, unkomplizierte Art, die ganz wesentlich zum Gelingen dieser Tage beigetragen hat. Keine Bitte blieb unerfüllt und immer fand sich ein Weg, der für alle beteiligten möglich war. Hoffen und beten wir, dass wir noch öfter dort im Haus Rosengart zu Gast sein dürfen.

Bernadette Schmidt